SBB-Projekt MehrSpur Zürich - Winterthur: Auswirkungen auf die Bevölkerung Wallisellens
Darum geht es:
Die SBB werden die Kapazitäten auf der Stecke Zürich – Winterthur in den kommenden Jahren ausbauen. Herzstück wird der Brüttenertunnel sein, der das Nadelöhr in Kemptthal beseitigen soll. Gleichzeitig werden auch die Kapazitäten auf den Zufahrten zum Tunnel optimiert und erhört. Das betrifft unter anderem die Strecke Oerlikon-Wallisellen-Dietlikon.
Mai 2022: Erste Information der Bevölkerung
Am 9. Mai 2022 haben die SBB und der Walliseller Stadtrat bei einer Veranstaltung im Doktorhaus ein erstes Mal die Bevölkerung über das Bauprojekt informierten. Hier ging es vor allem um die Arbeiten und Auswirkungen auf dem Stadtgebiet von Wallisellen. Informationen sowie eine Aufzeichnung der Präsentation sind auf der Website SBB Informationsveranstaltung zugänglich. Alle Informationen zum Projekt gibt es auf der Seite der SBB.
Reaktion auf die erste Information
Aufgrund dieser Präsentation befürchtet der QV Wallisellen Süd, dass die Walliseller Bevölkerung und vor allem die Anwohner:innen in Bahnhof- und Gleisnähe massiv und über lange Zeit (geplante Bauzeit: rund 7 Jahre) von den Auswirkungen dieser Bauarbeiten betroffen sein werden.
Es ist geplant, auf der Brachfläche zwischen Bahnhof Wallisellen, Richti-Quartier und Conforama einen grossenMonatgeplatz für den Gleis-Umbau einzurichten. Die Arbeiten sollen teils auch an Randzeiten, Wochenenden und in der Nacht durchgeführt werden.
Für die Anwohner:innen auf beiden Seiten der Gleise wird dies eine erhebliche Belastung bedeuten, wie bereits Bauarbeiten im Sommer 2022 gezeigt hatten - zum Beispiel, als Maschinen in den späten Abendstunden vorbereitet oderMaterial in den frühen Morgenstunden abtransportiert wurde. Das hatten Bewohner:innen bis weit ins Quartier hinein mitbekommen. Mehrere Betroffene hatten sich beim Quartierverein gemeldet und sich über eine massive Einschränkung ihrer Lebensqualität beschwert.
Der Quartierverein befürchtet deshalb, dass die nun geplanten, langjährigen Bauarbeiten im Rahmen des SBB-Projekts MehrSpur die Bevölkerung in vielfacher Hinsicht massiv belasten werden. Neben Lärm und Schmutz sorgt sich der QV auch um die Verkehrssituation: Mit der Unterführung Breite kreuzt ein wichtiger Schulweg die Baustellenzufahrt. Die Situation an der Kreuzung Richtiring / Conforama ist seit langem unübersichtlich, mit Baustellenverkehr aber beinahe fahrlässig gefährlich.
QV wendet sich mit Forderungen an Stadtrat
Der Quartierverein hat sich deshalb Mitte Mai 2022 schriftlich an den Stadtrat gewandt mit der Bitte, dem Lärmschutz während der 7-jährigen Bauzeit mehr Beachtung zu schenken. Konkret forderte der QV
- eine Montagehalle, die Lärm- und Schmutzemissionen während der Bauzeit verringern soll,
- ein Verkehrskonzept, damit nicht das ganze Richti-Quartier zum Parkplatz für diese Baustelle verkommt,
- eine geregelte Zufahrt für den Schwerverkehr und
- Massnahmen zur Sicherstellung der Sicherheit von Fussgänger:innen und Velofahrer:innen.
An der GV im März 2023 hat Stadtrat Philipp Mauer (Grüne) persönlich über den aktuellen Stand der Planung informiert und die Fragen der anwesenden Teilnehmer:innen beantwortet. Herzlichen Dank!
Ende April 2023 hat der Stadtrat dem QV in einer schriftliche Rückmeldung geantwortet.
Visualisierung QVWS Montageplatz
Visualisierung QVWS Schul- und Velowege
Mai 2023: Online-Information zur öffentlichen Planauflage
Am 24.05.2023 haben die SBB zusammen mit Stadtpräsident Peter Spörri detailliertere Informationen zu den Bauten, den Einflüssen auf Wallisellen und den Zeitplan online vorgestellt. Die Aufzeichnung kann hier (als Teams-Aufzeichnung) nachgeschaut werden. Während der Veranstaltung konnten die Zuschauer:innen schriftlich Fragen einreichen, die mehrheitlich direkt beantwortet wurden. Auch der QV konnte hier seine wichtigsten Punkte einbringen. Aus der Präsentation ging hervor, dass den SBB die Problematik bezüglich Baulärm durchaus bewusst ist.
Stadtpräsident Peter Spörri rief die Betroffenen dazu auf, sich mit dem Projekt auseinanderzusetzen, während der öffentlichen Auflage mit der Stadt und den SBB das Gespräch zu suchen und ggf. Einsprache zu erheben. So könnten mögliche Probleme vor Projektstart aufgenommen und berücksichtigt werden.
Juni 2023: QV erhebt Einsprache
Weil der QV der Ansicht ist, dass den Bedürfnissen von Anwohner:innen und Passant:innen bei der Planung des SBB-Projekts MehrSpur nicht genügend Rechnung getragen wird, erhebt der QV schriftlich Einsprache.
Oktober 2024: QV-Delegation trifft SBB-Verantwortlichen
Auf Einladung der SBB trifft sich Mitte Oktober 2024 eine Delegation des Quartiervereins mit dem für den Abschnitt Wallisellen zuständigen SBB-Projektleiter. Sie erfahren, dass die Planung des Bauprojekts unter anderem um folgende Punkte angepasst wurde:
- Die SBB ein detailliertes Verkehrskonzept ausgearbeitet. Der Langsamverkehr (in Gleisnähe verlaufende Rad- und Gehwege) im Umfeld der Baustelle werden während der Bauzeit umgeleitet.
- Der Baustellen-LKW-Verkehr wird so geführt, dass der Richtiring möglichst entlastet wird.
- Als Lärm- und Staubschutz sind eine 4 Meter hohe Wand resp. doppelstöckige Container vorgesehen.
Januar 2025: Rückzug der Einsprache
Der Quartierverein stellt somit fest, dass die Projektverantwortlichen der SBB einige Inputs aufgenommen und die Planung in einigen Punkten nachgebessert haben. Der QV schätzt, dass eine erhebliche Verbesserung erreicht wurde und dem Schutz von Anwohner:innen und Passant:innen stärker Rechnung getragen wird. Der QV-Vorstand beschliesst deshalb im Januar 2025, die Einsprach zurückzuziehen.